Der Preis der Selbstständigkeit, und warum ich ihn gerne zahle

Kennst Du diese Abende? Der Kaffee ist kalt, die Liste länger als am Morgen, und mittendrin diese eine Frage: Warum tu ich mir das eigentlich an?

Genau diese Frage stellt Céline Tüyeni in ihrer Blogparade Warum tu ich mir das eigentlich an?“. Und sie hat bei mir sofort etwas angestoßen. Denn nach 24 Jahren Selbstständigkeit kenne ich nicht nur die Freiheit und die Erfolge. Ich kenne auch die Abende, an denen ich mich frage, welchen Preis ich für diesen Weg eigentlich zahle – und warum ich ihn trotzdem immer wieder gerne zahle.

Meine Antwort ist jedes Mal dieselbe. Ich will nie wieder etwas anderes machen.

Das hat nichts damit zu tun, dass immer alles glattläuft. Dieser Weg erlaubt mir, genau die zu sein, die ich bin. Und das zu tun, was mir am meisten Spaß macht. Für dieses Gefühl nehme ich eine Menge in Kauf.

Angefangen hat es aus dem Nichts

Ich hab mir die Selbstständigkeit nicht ausgesucht. Sie kam ungefragt. Mit 35 stand ich da: kein Job, keine Wohnung, keine Sicherheit. Kein Budget, kein Netzwerk, keine Ahnung, wie es weitergeht.

Das Einzige, was ich hatte, war mein Wissen, wie man ein gutes Gespräch führt. Und das Vertrauen, dass das reicht. Also hab ich verkauft. Mich, meine Arbeit, meine Ideen. Nicht mutig. Ich hab’s einfach gemacht.

Und ja, ich hatte Angst

Ich rede nicht gern drumherum. Da war Angst. Kommt Geld rein, reicht es  bis nächsten Monat? Kommt der nächste Kunde? Es gab Wochen, in denen mein Kalender leer war und mein Kopf laut. Ich hab mich gefragt, ob das jemals trägt.

Getragen hat mich ein einziger Gedanke: Ich kann etwas, das gebraucht wird. Den hab ich mir vorgesagt, an guten und an schlechten Tagen.

Und dann kam der erste Kunde, der wiederkam. Der zweite, der mich weiterempfahl. So ist es gewachsen. Erst zögerlich, dann klarer, dann sicherer. Aus lauter kleinen Beweisen, dass es trägt. Heute sind es 24 Jahre.

Ja, ich arbeite auch abends. Und am Wochenende.

Ich mach mir da nichts vor. Es gibt Tage, die lang werden. Abende, an denen ich nochmal am Schreibtisch sitze. Und Wochenenden, an denen ich arbeite. Draußen scheint die Sonne, drinnen sitze ich am Konzept für den Kunden.

Und für mich passt das. Weil ich mir meine Freiräume genauso nehme, wie ich sie brauche. Ich hab ein paar Anläufe gebraucht, bis meine Struktur saß. Heute bin ich fünf Monate im Jahr mit meinem Van unterwegs.

So arbeite ich am liebsten: entspannt und nah dran. Entweder ich fahre zu meinen Kunden, oder wir sehen uns online. Beides fühlt sich richtig an. Der Van steht dann an einem ruhigen Fleck, ich hab meinen Kaffee, und der Kopf ist frei für das, was zählt.

Wen ich damit glücklich mache

Nicht nur mich. Das ist mir wichtig.

Ich arbeite mit Coaches und Solo-Unternehmerinnen, die viel können und sich beim Verkaufen nicht verbiegen wollen. Wir sortieren den Kopf und holen den roten Faden zurück ins Angebot und ins Verkaufsgespräch.

Eine Kundin hat es nach unseren sechs Wochen so gesagt:

„Nun hat meine Kundengewinnung einen roten Faden, so wie ich es mir vorgestellt habe.“

Genau für diesen Satz stehe ich morgens auf. Am Ende hat sie mich nicht mehr gebraucht. Sie konnte es selbst.

Der Markt bleibt nie stehen. Ich auch nicht.

Was mich früher verunsichert hat, sehe ich heute gelassener. Der Markt ändert sich ständig, es gibt Schwankungen. Das ist normal. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Wie bewerte ich es, und was ist meine Antwort darauf?

Was letztes Jahr lief, zieht dieses Jahr nicht mehr. Kunden fragen auf einmal nach anderem. Themen kommen, Themen gehen. Früher hat mich das nervös gemacht. Heute weiß ich: Genau da entstehen die besten Angebote.

Dreht sich etwas, klammere ich mich nicht an mein altes Angebot. Ich höre hin. Was brauchen meine Kunden gerade? Wo drückt es neu?

Eine Kundin kam mit einer konkreten Anfrage zu mir. Zuerst habe ich sie als Unternehmerin dabei begleitet, ein neues Angebot zu entwickeln und erfolgreich zu verkaufen.

Kurze Zeit später kam sie wieder auf mich zu. Dieses Mal ging es um ihr gesamtes Team. Sie wollte ein Verkaufstraining, das auf den individuellen Stärken jedes Einzelnen aufbaut.

Aus dieser einen Anfrage hat sich ein Angebot entwickelt, das es vorher bei mir gar nicht gab: die Begleitung kompletter Teams.

Genau das rate ich auch meinen Kunden. Dein Angebot ist kein Denkmal. Es darf sich mitbewegen, so wie Du und Dein Markt sich bewegen. Das nimmt den Druck raus und macht Platz für Neues.

Und vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage von oben. Warum ich mir das antue? Weil alles in Bewegung ist. Nichts steht still. Ich nicht, mein Angebot nicht, meine Kunden auch nicht. Genau das macht es aus. Diese Bewegung hält mich wach und neugierig.

Was ich mir sage, wenn der Frust groß ist

An zähen Tagen rede ich mit mir wie mit einer guten Freundin. Ich frage mich: Was brauchst Du gerade? Manchmal ist die Antwort eine Pause. Manchmal ein Anruf bei jemandem, der mich erdet. Und manchmal reicht der Gedanke an die nächste Woche im Van, um wieder klar zu sehen.

Denn die Freiheit, selbst über meinen Tag zu bestimmen, gebe ich nie wieder her. Ja zu den Kunden zu sagen, die zu mir passen. Und Nein zum Rest.

Für Dich, wenn Du gerade kurz davor bist

Vielleicht liest Du das an genau so einem Abend. An dem alles zu viel ist und die Frage laut wird: Warum tu ich mir das an?

Dann nimm eins mit. Diese Frage macht Dich nicht schwach. Sie zeigt: Dir ist Dein Weg nicht egal. Bleib kurz stehen und schau nach, ob Dein Warum noch da ist. Meistens liegt es nur unter zu vielen offenen Punkten.

Und dann mach den nächsten Schritt. Nur den nächsten.

Magst Du? Dann schreib Dir Deine eigene Antwort auf. Oft weißt Du erst beim Schreiben, warum Du längst weitermachst.

Ist es normal, an der Selbstständigkeit zu zweifeln?
Ja. Zweifel gehören dazu, auch nach vielen Jahren. Sie verschwinden nicht, sie verändern sich mit Dir und Deinem Business.

Was tun, wenn ich meine Selbstständigkeit aufgeben will?
Erst kurz innehalten und prüfen, ob Dein Warum noch stimmt. Die meisten Aufgeben-Momente sind eine vorübergehende Krise. Oft reicht es, das Angebot neu auszurichten.

Wie gehe ich mit Ängsten am Anfang der Selbstständigkeit um?
Konzentrier Dich auf das, was Du kannst, und sammle kleine Beweise. Der erste Kunde, der wiederkommt. Die erste Empfehlung. Daraus wächst Sicherheit.

Was mache ich, wenn mein Angebot am Markt nicht mehr zieht?
Nicht festhalten. Hör hin, was Deine Kunden gerade brauchen, und pass Dein Angebot an. Aus Marktveränderungen entstehen oft die besten neuen Angebote.

Lohnt sich Selbstständigkeit trotz aller Unsicherheit?
Für viele ja. Die Freiheit, selbst über Tag, Kunden und Weg zu bestimmen, wiegt den Preis auf. Wichtig ist, dass der Weg zu Dir passt.

Wenn ich in den letzten 24 Jahren eines gelernt habe, dann das:

Die meisten Selbstständigen scheitern nicht daran, dass sie zu wenig können. Sondern daran, dass sie an den falschen Stellen Energie verlieren.

Einer dieser Momente ist das Verkaufsgespräch. Wenn ein Interessent sagt: „Ich überleg’s mir.“ Und Du nicht weißt, was wirklich dahintersteckt.

Genau dafür habe ich eine Checkliste entwickelt. Sie zeigt Dir, welche drei Informationen Kunden vor einer Entscheidung wirklich brauchen – damit aus langen Überlegungen wieder klare Entscheidungen werden.

👉 Hier kannst Du sie kostenlos herunterladen: